silberbilder auf glas

das verfahren


die ambrotypie (von dem griechischen wort 'ambrotos' - unsterblich) ist ein fotografisches direktpositiv welches mit dem nass-kollodiumverfahren hergestellt wird und von 1852 bis in 1880er seine blütezeit hatte. in kürze beschrieben, wird dabei eine lichtsensible schicht auf einen träger (schwarzglas) aufgetragen, dieser wird dann in einer kamera belichtet, danach in einer dunkelkammer entwickelt und fixiert. durch die chemische reaktion zwischen silber und den lichtsensitiven salzen ensteht ein bild auf dem bildträger. da es ein 'wet-plate' verfahren ist, muss die schicht die ganze zeit über im flüssigen zustand bleiben. somit kann man auch keine platten vorbereiten, sondern jeder bildträger wird vor ort aufbereitet.




was es von modernen fotoverfahren unterscheidet:



I) jedes bild ist ein unikat: ich arbeite vor allem mit dem 'positiv-verfahren', sprich es gibt jedes bild nur einmal und da es kein negativ gibt (wie zum beispiel beim analogen film), gibt es auch keine kopien oder drucke in der form. es gibt genau diesen einen bildträger, der diesen einen moment, wie ein stück harz, in sich gespeichert hält.


II) das bild ist authentisch: jedes bild das hiermit entsteht ist etwas besonderes, mehr als bloß die summe von tonwerten und wahrscheinlichkeiten; es ist keine reproduktion von etwas, es ist das 'etwas' selber. das entstandene bild ist anwesend, in dem selben raum wie der mensch der darauf abgebildet ist (wenn es ein portrait ist), genau in diesem einen moment und an diesem ort teilen der bildträger und diese person etwas und als resultat ensteht dieses bild. im vergleich dazu ein digitalbild, welches an sich eine ansammlung von tonwerten ist die, digital auf einem datenträger zwischengespeichert, später auf einen anderen datenträger kopiert werden und irgendwann (eventuell) wiederum auf papier interpretiert werden. schon beim ersten schritt gibt es eine abstraktion: die daten haben keinen physikalischen bezug mehr zu dem ort und dem raum an dem das bild gemacht wurde. bei einem bild mit dem kollodionverfahren dagegen gibt es, wenn man es genau anschaut, einen direkten physikalischen kontakt zwischen dem bild und der fotografierten person/objekt: die photonen (licht) treffen auf die person, werden von dieser reflektiert und landen dann durch das objektiv auf der photosensiblen schicht, reagieren mit der lichtsensiblen schicht dieser und hinterlassen eine spur mit hilfe von silber. es entsteht genau in diesem moment etwas neues, eine verbindung. ein solches bild ist mehr als eine interpretation, es ist ein zeuge.


III) man ist die ganze zeit in diesen prozess involviert: die entstehung eines bildes beginnt schon lange bevor ich die objektivklappe abnehme. schon die herstellung der einzelnen komponenten für ein solches bild ist ein handwerk an sich. die kollodiumschicht wird per hand und waage aus den chemischen grundbausteinen erarbeitet, der entwickler, der firnis, alles wird mit den eigenen händen gemacht; und es hört auch nicht bei dem fotografen selber auf, da es ein 'wet plate' verfahren ist laufen die schritte der beschichtung der platte, sensibilisierung, belichtung, entwicklung und fixierung innerhalb von knapp 10 minuten ab und die person, welche fotografiert wird, kann daran teilhaben, kann sich somit in den prozess einbringen und hat somit am ende auch einen absolut anderen bezug zu diesem bild.


was bleibt vom moment?



heute ist es einfacher den je eine szene/bild festzuhalten. man braucht dazu nicht mal mehr ein spezielles gerät (wie noch vor 10 jahren). beinahe jeder trägt ein smartphone in der tasche und jeder ist jederzeit nur einen klick davon entfernt ein foto zu machen. zu keiner zeit in der geschichte existierten mehr bilder auf der welt oder wurde man täglich mit mehr bildern konfrontiert. werbeplakate, wahlplakate, digitale reklameschilder die alle paar sekunden ihren inhalt ändern, fernsehen, internet. alles lebt von bildern, wird damit gefüllt. wieviele bilder hat man auf dem eigenen handy, der eigenen festplatte?


wie oft denkt man sich 'ich würde das eine oder andere bild gerne mal sehen', aber dann findet man es nicht in den abertausenden von bildern die man in seinen digitalen archiven gespeichert hat, oder man fängt erst gar nicht an zu suchen weil man von der vorstellung und der zu investierenden zeit abgeschreckt wird. wenn man tausende von bildern hat und täglich tausende bilder sieht, wieviel 'wert' besitzt jedes einzelne bild für uns noch? hat ein bild, das unter besonderen umständen entstanden ist, bei welchem man sogar in die entstehung involviert ist und welches auch absolut einzigartig ist, vielleicht eine andere bedeutung für einen selbst, vorallem heute?

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denis krieg
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